Use it or loose it

Erst gestern, waren wir noch ein kleiner Appetithappen für Säbelzahntiger und Co. und bereits heute haben wir das gesamte Wissen der Welt, in unserem Smartphone immer mit dabei und verfügbar. Nahezu jeder Fleck auf diesem Planeten, wurde bereits bereist und erkundet. Wir fliegen regelmäßig ins Weltall und sind in der Lage unseren Planeten, auf Knopfdruck mit tausenden von Atomwaffen, einfach in die Luft zu sprengen.

Entwicklungsgeschichtlich ist der Mensch ein absolutes Erfolgsmodell. Innerhalb kürzester Zeit wurden wir zum erfolgreichsten und mächtigsten Lebewesen auf diesem Planeten. Sehr zum Leidwesen unserer Flora und Fauna. Unzählige Tier- und Pflanzenarten wurden bereits ausgerottet.

Insbesondere in den letzten 100 Jahren haben wir eine extreme wirtschaftliche und technologische Entwicklung durchgemacht. Wir leben in einer Zeit des Wohlstandes und des Friedens.

Paradoxerweise entwickeln wir Menschen uns aber immer mehr zurück, desto mehr unserere technologische Entwicklung voranschreitet. Wir sterben wie die Fliegen an Wohlstandskrankheiten, an Herzinfarkten, Krebs und an massivem Übergewicht. Wir leiden unter den vielfältigsten Krankheiten, Süchten, Abhängigkeiten und Depressionen. Jährlich nehmen sich weltweit ca. 800.000 Menschen das Leben, auf Grund psychischer Probleme und Leiden.

„Use it or loose it“ ist ein universelles Naturgesetz. Das was wir nicht nutzen, geht verloren oder sucht sich ein anderes Ventil. Ein Großteil der Probleme der Menschheit, lässt sich auf genau dieses Naturgesetz zurückführen.

Das Problem mit der Liebe

Die Natur hat es so eingerichtet, das wir Menschen eigentlich viel zu früh auf die Welt kommen. Im Gegensatz zu allen anderen Säugetieren haben wir eine relativ kurze Zeit der Schwangerschaft. Währenddessen die meisten Säugetiere kurz nach ihrer Geburt bereits selbständig sind, ist es bei uns Menschen ganz anders. Höchst hilfsbedürftig und unselbständig benötigen wir in unseren ersten Lebensmonaten und Lebensjahren eine intensive Betreuung durch unsere Eltern.

Das nötige Vertrauen in die Welt und das Gefühl geliebt zu werden, die Zuversicht das wir unsere Ziele erreichen können, sollen uns unsere Eltern auf unserem Lebensweg mitgeben. Dies fällt vielen Eltern sehr schwer, da sie sehr oft selbst, auf Grund ihrer Erziehung, mit Selbstwertproblemen zu kämpfen haben.

Die Folge sind Kinder und spätere Erwachsene, die unter mangelnder Selbstliebe und unter fehlendem Selbstvertrauen leiden. Menschen die sich nicht selber lieben können, haben oftmals keine erfüllten Partnerschaften, selten beruflichen Erfolg und eher selten ein glückliches und erfülltes Leben. Mangelnde Selbstliebe und mangelndes Selbstvertrauen machen uns höchst anfällig, für die Sirenenrufe und Verheißungen der Werbeindustrie. In den höchsten Tönen werden uns Produkte und Dienstleistungen angepriesen, die uns glücklich und zufrieden machen sollen.

Der Kick für den Augenblick

Unser Belohnungssystem war höchstwahrscheinlich einer der größten Booster und Erfolgsfaktoren, für die menschliche Entwicklung. Körpereigene Drogen und Glückshormone die ein bestimmtes Verhalten belohnen.

Als unsere Vorfahren noch mit Lendenschurz und Keule bewaffnet durch die Prärie rannten, lebten sie in einer höchst gefährlichen Umgebung. Diese Zeit war von unwahrscheinlich vielen Gefahren und Hunger geprägt. Unsere Vorfahren liefen entweder ihrem Essen hinterher oder vor ihm davon.

Damit die Menschheit in diesen Zeiten des Mangels und der Gefahren überleben konnte, musste sich die Natur etwas einfallen lassen. Ein Verhalten das unserem Überleben zuträglich war, wurde belohnt. Dazu gehörten die Nahrungsbeschaffung, die Fortpflanzung, Neugierde und Entdeckerdrang, sowie soziales Verhalten.

Heutzutage leben wir in einer Zeit des Überflusses. Nahezu alles ist heutzutage quasi unbegrenzt vorhanden. Nahrung, potentielle Geschlechtspartner, in Form von Pornos oder Datingapps. Unendlich viele potentielle Freunde über die sozialen Netzwerke. Zerstreuung und Ablenkung, rund um die Uhr. Täglich mehr als 6.000 Werbebotschaften die auf uns einprasseln. Unser Belohnungssystem noch auf Mangel programmiert feuert die ganze Zeit und schüttet Glückshormone aus. Mit dem Ergebnis, das die Dopaminrezeptoren in unserem Gehirn, abstumpfen und immer höhere Dosen an Glückshormonen nötig sind, um Glücksgefühle empfinden zu können.

Die Folge sind Abhängigkeiten und Süchte und eine Industrie die unser Belohnungssystem maximal triggert für die Maximierung ihrer Gewinne.

Sitzen ist das neue Rauchen

Wir Menschen sind einfach nicht dazu gemacht, unsere Tage überwiegend sitzend zu verbringen. Unsere Vorfahren legten täglich ca. 30 – 50 km, zu Fuß, zurück. Unser gesamter Muskel und Bewegungsapparat ist perfekt auf diese tägliche Bewegung ausgerichtet.

Heutzutage beschränkt sich die Bewegung, der meisten Menschen hauptsächlich darauf, um zum Auto zu laufen und dann in die Arbeit oder zum einkaufen zu fahren. In der Arbeit sitzen wir dann ca. 8 Stunden vor dem Rechner und auch unsere Freizeit wird überwiegend mit sitzenden Tätigkeiten verbracht. Smartphones, soziale Netzwerke, Serienmarathons und der gute alte Fernseher sorgen dafür, das wir noch einmal ca. 4 Stunden überwiegend mit Sitzen verbringen.

Unser Körper ist höchst effizient und immer bestrebt möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Nutzen wir unsere Muskeln nicht, werden diese abgebaut um Energie zu sparen. Dabei sind Muskeln aber die perfekten Fettverbrennungsmaschinen, die rund um die Uhr, auch im Schlaf, Fett verbrennen und somit beim abnehmen helfen. Zudem stützen Muskeln unseren kompletten Körper und Bewegungsapparat. Rückenschmerzen, Gelenk und Sehnenprobleme sind mögliche Folgen, die mit unserer heutigen Lebensweise einhergehen.

Der Supercomputer zwischen unseren Ohren

100.000.000.000 Nervenzellen, wobei jede Nervenzelle wiederrum mehrere tausend Verbindungen hat. Die Komplexität unseres Gehirnes stellt nahezu alles in unserem Universum in den Schatten.

Heutige Supercomputer machen neben unserem Gehirn eine ziemlich schwache Figur. Bei unserem Gehirn handelt es sich im Prinzip, um die perfekte Problemlösungsmaschine, die ständig am arbeiten ist, ständig hungrig nach neuen Aufgaben und Problemen, welche gelöst werden wollen.

Mit der ganzen Welt kommunizieren, ins Weltall fliegen und mit 200 km/h über Autobahnen brausen, kein Problem mehr. Großartige Kunstwerke und schöne Dinge wurden erschaffen, gefährliche Krankheiten ausgerottet und der Hunger und die Armut in großen Teilen der Welt abgeschafft. Viele große Probleme der Menschheit wurden bereits gelöst und viele neue Probleme geschaffen.

Leider ist unsere moderne Lebensweise aber echtes Gift für unser Gehirn. Wir essen Nahrung die uns nicht mehr nährt und kaum noch wertvolle Inhaltsstoffe enthält. Rund um die Uhr werden wir mit News, Werbung und Negativität bombardiert. Wir können an einem Abend in dem wir Fernsehen schauen, mehr Gewalt, mehr Tote und mehr Negativität sehen und erleben, als unsere Vorfahren in ihrem ganzen Leben.

Unseren Supercomputer füttern wir mit trivialen und unnützen Informationen. Und wir fordern unser Gehirn nicht mehr ausreichend. Die meisten Menschen gehen Problemen aus dem Weg, statt nach einer Lösung zu suchen. Wir haben es uns bequem in unserer Komfortzone eingerichtet.

Da unser Gehirn aber immer etwas zu tun haben will, sucht es sich neue Aufgaben und Herausforderungen. Wir machen uns Sorgen um die Zukunft, verschwenden unsere Lebenszeit mit Schuldgefühlen, Vorwürfen und Schuldzuweisungen und betäuben unseren Schmerz, mit den unterschiedlichsten Stimuli, angefangen bei unseren Smartphones bis hin zu Alkohol und Drogen.

Ich vertrete hier These das der massive Anstieg psyschischer Erkrankungen nicht nur in der modernen Arbeitswelt und Hektik zu suchen ist. Sondern das mangelnde Selbstliebe und Selbstwirksamkeit dazu führen, das wir uns immer weniger an die Lösung der Probleme des Lebens heranwagen. Dadurch erleben wir immer weniger Erfolgserlebnisse und somit auch keine Selbstwirksamkeit. Und dadurch das unser Gehirn nicht gefordert wird, sucht es sich seine eigenen Aufgaben auf Nebenkriegsschauplätzen, die zu einer Negativspirale und somit direkt in die Depression führen.

Das arbeitslose Immunsystem

Jahrtausendelang war unser Immunsystem im Dauereinsatz und ständig mit dem Kampf, gegen die unterschiedlichsten Krankheitserreger beschäftigt. Bereits eine kleine, heutzutage harmlose Verletzung, konnte zu einer schweren Erkrankung bis zum Tod führen. Glücklicherweise ist es uns Menschen gelungen, durch Hygiene und eine sehr fortschrittliche Medizin, einem Großteil der Erkrankungen den Schrecken zu nehmen.

Der heutige Hygienewahn den viele Menschen an den Tag legen und der massive Einsatz von Antibiotika führen dazu, das unser Immunsystem immer weniger zu tun hat. Der starke Anstieg von Allergien, bis hin zum Asthma, dürfte hier seine Ursache haben.

Was wäre wenn die Ursachen von Autoimmunerkrankungen, neben der genetischen Disposition, in dem übertriebenen Hygienewahn und masssiven Einsatz von Antibiotika zu finden wären? Eine gewagte These, aber es lohnt sich meiner Meinung nach einmal darüber nachzudenken.

Autoimmunerkrankungen bei denen das eigene Immunsystem körpereigene Zellen als Feinde ansieht und bekämpft, haben in den letzten Jahrzehnten extrem stark zugenommen. Also genau in der Zeit in dem sich unser Leben und unsere gesamt Lebensweise so radikal verändert haben

Das Schlaraffenland

Unser Vorfahren lebten in einer unwirtlichen Welt, in der Nahrung knapp war. Längere Hungerperioden bzw. Zeiten in denen nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung stand, waren die Regel.

Unser Ernährungs- und Verdauungssystem ist perfekt auf diesen Mangel eingestellt. In Zeiten in denen viel Nahrung zur Verfügung stand, wurden Reserven in den Fettzellen eingelagert. In Hungerperioden konnte der Körper dann wieder auf diese Fettereserven zugreifen und somit dem Körper und Gehirn ausreichend Energie zur Verfügung stellen.

Dem heutigen Überfluss und der heutigen extrem kalorienreichen Ernährung, ist unser archaisches Ernährungssystem nicht mehr gewachsen. Denn unser Gehirn will immer noch für kommende Hungerperioden vorsorgen und verlangt so nach Zucker und Fetten und lagert diese so viel wie nur möglich in unseren Fettzellen ein. Die Folge sind massive Probleme mit Übergwicht, Fettleibigkeit und Herzkreislauferkrankungen.

Fazit:

Es macht Sinn sich ein paar Gedanken bezüglich unserer heutigen Lebensweise zu machen.

Wir dürfen lernen uns selbst anzunehmen und selbst zu lieben. Regelmässige tägliche moderate Bewegung ist ideal für unseren Körper. Eine Ernährung welche überwiegend auf pflanzlicher Nahrung beruht und möglichst arm an verarbeiteten Produkten ist und möglichst wenige Mahlzeiten über den Tag verteilt, beinhaltet. Echte Probleme lösen und unseren Gehirn Futter geben, macht uns glücklich und bringt uns im Leben weiter. Das Ganze ergänzt um einen Dopamin-Detox, damit unser Belohnungssystem wieder normal funktionieren kann.

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